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Ursprünglich erschienen 2001 als CD, jetzt erstmalig als Vinyl LP zu haben! Und was für eine Aufmachung: Gatefoldcover mit den Texten, massig Fotos und die Platte selbst in Clear w/ Black and White Splatter! Die Band „Der Dicke Polizist“ (auch als DDP bekannt) wurde 1993 in Koblenz gegründet und ist eine feste Größe in der Punk-Szene. Ihre Songs setzen sich kritisch mit Themen der Gesellschaft auseinander. Nach anfänglichen Erfolgen mit Demotapes wie „Keine Liebe, keine Gerechtigkeit“ (1994) und "Wir habens satt" (1997) veröffentlichte die Band 1998 ihr erstes Album „Es geschah am hellixten Tag“. Die folgenden Jahre brachten einige Wechsel in der Bandbesetzung und eine Umbenennung zu „DDP“ im Jahr 2005, da der ursprüngliche Name oft als zu humorvoll für ihre ernsthaften Themen missverstanden wurde. Auch die Labels, wechselten einige Male. Nach den Alben „DDP“, „Alexithymie“ (Impact Records) wechselte die Band zum Bandeigenen Dritte Wahl Label. Nach einer kurzen Pause kehrte die Band 2014 wieder zu ihrem alten Namen zurück und veröffentlichte 2015 dort die EP „Naive Automaten“. Seit 2017 pausiert die Band.
Vergesst alles, was ihr dachtet, über Postpunk zu wissen - Berlin 2.0 zünden die Endstufe in der Punk-Evolution. Nach dem szeneübergreifend gefeierten Debüt »Scherbenhügel« droppt die Stuttgarter Band mit »Kaltental« 2025 ein zweites Mal eine Bombe über Postpunk Germany - und mit diesem Monster eines Longplayers ist klar: Hier wird keine Welle geritten. Hier wird eine Welle ausgelöst werden. »Kaltental« ist der dystopische Soundtrack einer brennenden Welt im Endspiel kapitalistischer Ideologie, zwischen Endzeit und Aufbruch, Resignation und Kampfbereitschaft. Härter, düsterer, dringlicher. Mit einer Mischung aus rasenden Hardcore-Ausbrüchen, klassischen Rock-Elementen, Post-Hardcore-Gitarrenwänden und melodischem Endzeitpop kracht »Kaltental« unverschämt souverän durch Genremauern und zerbombt mit radikal-klarsichtigen Texten von Ausnahmesängerin Elena Wolf Gabionenzäune in Vorgärten und Köpfen »ganz normaler« Deutscher im Aufrüstungswahnsinn. Ferdinand Führer von Fieser Schwan Recordings hat »Kaltental« aufgenommen, gemixt und gemastert und in eine rohe, dröhnende Elegie verwandelt, die aber auch keine Gefangenen auf dem Dancefloor macht. Die antifaschistische Bladerunner-Jeanne d'Arc in mittelalterlicher Rüstung auf dem Cover ist dabei mehr als eine Reminiszenz an revolutionäre Frauenfiguren in Geschichte und Kunst. Das neo-retrofuturistische Artwork der Wiener Fotografin Doris Himmelbauer ist die cineastische Visualisierung eines Albums, das Gewalt, Verletzbarkeit und die Sehnsucht nach einer besseren Welt verhandelt. »Kaltental« ist Krieg. Innerlich wie äußerlich. Aber auch ein Urschrei nach Liebe und Solidarität in der unbeirrbaren Überzeugung, dass alles auch ganz anders sein kann.
Im Herbst 2018 erschien die Debut-LP von AKJ. Auf "Karate Kid Joe" wurden bereits diverse Feindbildstereotype (u.A. Kartoffeln, Hippies, Poetry Slam) der Reihe nach abgeackert. Nun erscheint Album Numero 2: "Die große Palmöllüge". Alles steht hier im Zeichen der Verschwörungstheorie. Geht Palmöl nun klar oder ist die Abholzung des Regenwaldes am Ende etwa eine Riesensauerei - die Welt teilt sich in zwei Lager. Fridays for Future, regionale Kleinbauern und Orang Utans scheinen sich einig: geht eher nicht so klar. Hier halten wiederum ausgewiesene Klima-Experten dagegen, z.B. Jan Leyk (bekannt aus "Berlin Tag & Nacht"). Der sagt nämlich, dass die "bekackte Tofuwurst dafür sorgt, dass verschissen nochmal die Regenwälder abgeholzt werden". Palmöl, Facepalm - whatever. Was hat das jetzt alles mit dem neuen Album des linksgrünversifften Punk-Quartetts Akne Kid Joe am Hut? Die sind Team Orang Utan und FFF, soviel erstmal dazu. Aber steht denn wirklich alles im Zeichen der Verschwörungstheorie? Wer aufgrund des Album-Titels nun eine Konzept-LP gegen nutella und co. vermutet, muss leider enttäuscht werden. Wie schon auf Karate Kid Joe wird sich hier auch wild echauffiert, die Palette ist nun aber deutlich breiter. Zentrale Themen sind - klar, Verschwörungstheorie - aber auch linke Klassiker wie Vaterlandsverrat, Saufen und Beamtenbeleidigung. Mitunter wird es auf der neuen Scheibe aber auch richtig deep, z.B. mit einer 1,5 minütigen Nacherzählung eines Beziehungsendes im Italien Urlaub. Oder der Frage was nun besser ist - "Free Hugs" oder "Love Yourself" T-Shirts. Musikalisch ist übrigens auch alles breit aufgestellt. Zwar weniger Classic Rock wie noch beim Vorgänger, dafür von "Auf die Zwölf" über komische Moll-Akkorde bis hin zu EDM vieles dabei. Es gibt sogar mal 3 Sekunden Off-Beat, aber das war dann selbst AKJ zu blöd. Features sind auch drauf, mit echten Szene-Größen (nicht Campino, auch nicht Jan Leyk). Und weil ja allgemein bekannt ist, dass Streaming der heiße Scheiß ist und nur noch irgendwelche Ü30-Alt-Punker Platten kaufen und höchstens irgendwelche Boomer noch CDs, wird auf dem physischen Tonträger zur "Belohnung" ein Hidden Track zu finden sein. "Moment", werdet ihr jetzt sagen, "wieso wird das jetzt schon verraten mit dem Hidden Track, das ist doch dann kein Hidden Track mehr!!!1!!11!!". Richtig. Aber kauft euch die Platte (oder die CD wenns denn unbedingt sein muss), darauf will man hier hinaus.
Schwarzes Recycling-Vinyl. Kommt mit Texblatt und Downloadcode.»Great Resignation«! So wird das massenhafte Kündigen von Bullshitjobs während der Corona-Pandemie bezeichnet. Die Verweigerung die eigene Arbeitskraft zu den widrigsten Bedingungen zu verkaufen, wenn es nicht mal zum Leben reicht. Auch wenn man sowieso bald wieder ran muss - nur für einen Moment spüren, die Macht zu haben alles lahm zu legen, hörten einfach alle auf: Wertschöpfung, Broligarchie, Kaufland, Deutschland. pogendroblem haben sich also nochmal zusammengerauft und ein neues Album gemacht. Drei Jahre für ein neues Album? In der Tat: »Great Resignation«. Oder zu wenig die Brotjobs gekündigt? Und wenn sie die Arbeit so hassen, warum haben sich pogendroblem dann noch weiter in die Musikindustrie reinbegeben? Widersprüche schärfen und aushalten. Ambiguitätstoleranz. Nachdem AWINHSMK Ende 2022 bei Audiolith erschien, ging es für die Band wild hin- und her zwischen Pop-Festivals, Punkbühnen, Preisverleihungen und Solishows für selbstverwaltete Kulturzentren oder gegen die extreme Rechte. Nun der Nachfolger »Great Resignation« bei Kidnap. Das Schulterklopfen der Kulturförderung darf natürlich auch nicht fehlen. Zwölf Tracks auf 1: 22 bis 2: 30. Ästhetisch nochmal diversifiziert und dennoch aus einem Guss, entstanden unter Regie von Gregor Hennig im Studio Nord Bremen, gemischt von Daniel Roesberg und gemastert von Christian Bethge. Musikalisch klarer und pointierter als zuvor. Obviously punk, poppige Niedlichkeit, Garage Vibes, bisschen Hamburger Schule, bisschen Kraut, etwas düsterere Gitarren und natürlich Brotschneidemaschine durch FX geballert. Wahrscheinlich Post-Punk. Doch Achtung, das ist keine Neue Neue Deutsche Welle! Große Resignation! Die große Traurigkeit zieht sich durch die Platte hindurch, auch in den auf den ersten Blick lustigen Liedern. Denn hier sind sich pogendroblem treu geblieben, es geht um absurde Alltagsgeschichten, um Subjektivierung, die nicht mehr zu funktionieren scheint. Um Fragmentierung von Gesellschaft, Arbeitsbeziehungen, der Linken. Wie durch die Zeit der Monster (Antonio Gramsci) navigieren, fragen pogendroblem. Wie weiter machen gegen Faschisierung und Klimakrise? Lösungsansätze werden diskutiert und ausprobiert. Es ist klar: Es kann nicht immer so weitergehen.
Schon seit 1993 hatten sich SUPERNICHTS Stück für Stück einen Status als Ausnahmepunkband erarbeitet. Die Kölner erspielten sich mit ihrem intelligent-prolligen und melodisch-melancholischen Punkrock Legendenstatus. Seit 2017 füllt das Trio DETLEF. mit Musikern von SUPERNICHTS, KNOCHENFABRIK und INCOMING LEERGUT die Leerstelle, die diese Band hinterließ. Deshalb ist es natürlich kein Wunder, dass die 19 Songs auf „Kaltakquise“ nicht nur wohlig vertraut wirken, sondern natürlich auf höchste kompositorische, spielerische und inhaltliche Finesse bauen können. Von der mehrstimmigen Indierockhymne im bester BOXHAMSTERS / TOCOTRONIC-Manier bis zum einminütigen Pogokracher schaffen die Musiker ein völlig harmonisches und gleichzeitig schlagkräftiges Album, das mit Songs wie „Altbau“, „Neulich an der Resterampe“, „Ich hab mein Leben optimiert“, „Männer die gern tanzen“ oder „Scheiße, ich muss pissen“ auch textlich keine Wünsche offen lässt. High class german punkrock!
Es hatte einen Hauch von Endgültigkeit: Im April diesen Jahres kündigten FJØRT an, Ende August in Köln und Hamburg an je einem Tag in vier verschiedenen Clubs zwischen 12:00 Uhr mittags und 21:00 Uhr abends unter dem Motto »Ein Tag. Alle Platten.« ihre komplette Diskographie live auf die Bühnen zu bringen. Der Verkauf von fast dreieinhalbtausend Tickets in kürzester Zeit war ein klares Indiz für den Hunger nach der Band, doch schwang bei vielen Fans die Ungewissheit mit: Sollte es das gewesen sein? Gab es überhaupt noch ein »Weiter« für das Trio aus Aachen? Wohnen wir hier dem Begräbnis einer der wegweisenden deutschsprachigen Gitarrenbands der letzten zehn Jahre bei? Bis nach dem letzten Ton musste sich geduldet werden, bis es Gewissheit geben sollte. Nach »Karat» - dem finalen Stück vom 2017er-Album ›Couleur‹ - fiel der schwarze Vorhang in Köln und Hamburg. Es folgte: Stille. Wenige Momente später blitzt in projizierten Buchstaben ›nichts hat mehr bestand‹ auf, ein Rauschen schwillt an und FJØRT entfesseln ein niederwalzendes Riff, das unverkennbar nach ihnen klingt. Die Fragezeichen in den Köpfen des Publikums verfliegen: Es handelt sich um bisher ungehörtes Material. ›nichts‹ ist ein fast 50-minütiges Erlebnis. Das Album gewinnt dem dichten Sound der Band, der fließend zwischen allen Spielarten von Hardcore und Postrock wandelt, zahlreiche neue Facetten ab. Die Täler sind tiefer denn je, in den Höhen ist kaum Luft zu atmen. Die Atmosphäre fühlt sich nahezu greifbar an. Lyrisch gaben sich FJØRT seit jeher kryptisch und bleiben dieser Linie treu werden auf ›nichts‹ jedoch auch konkret wie selten zuvor. Vielleicht, weil Zeiten wie diese mehr denn je nach Schonungslosigkeit lechtzen. Vielleicht auch, weil eine Art Galgenhumor seinen Weg auf das Album gefunden hat, der mit dem absoluten Ernst gekonnt bricht. Abwechslungsreicher und schlichtweg größer klang diese Band noch nie.